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Salon Schmück

Sonntags frühstücken scheint in Berlin etwas besonders zu sein. Alle möglichen Cafés mit sonst ansehnlichem Angebot kommen auf die verwegene Idee, man wolle bloß wegen des Wochenendes plötzlich lieber selber aufstehen, Nahrung von unübersichtlichen Theken auf seinem Teller balancieren und um 15 Uhr noch die warmgehaltene Suppe vom Vormittag mit einer der nie ausreichen wollenden Hände umtopfen.

Umso angenehmer ist es, in ein Lokal zu stolpern, das einen versteht, im sonntagsmorgendlichen Kater abholt und mit der Selbstverständlichkeit des Kreuzberger Kiezpatriotismus die Karte mit “Dem Frühstück” hinwirft. Und die Karten im “Salon Schmück”, in das wir[1] vor dem einsetzenden Sonntagnachmittagsregen flüchtend einkehrten[2], waren wirklich liebevoll gestaltet: PVC-Klappkärtchen in Stullenbrett- und rotem Krokodillederimitatsmuster versetzten uns gleich in die beschwingte Stimmung, die durch die eigenwillige Innenraumausstattung unterstrichen wurde. Uns begrüßten Setzkästen mit Matroschkas und sonstigem Tinnef, eine rot-braune runde Ledercouch in der Mitte des Raums, eine Kuchenvitrine und viele längst ausgestorben geglaubte Beleuchtungsgegenstände. Und wem noch immer zu “normal” war, wurde spätestens durch die anderen Gäste mitgerissen, die – teils Murmeln auf ihrem Kopf balancierend, teils noch im Schlafanzug – alle herrlich schräg unterwegs waren.

Der Salon Schmück gibt sich innen verträumt.

Andrea, Kathrin und Anett waren vegetarisch unterwegs: Sie teilten sich zu dritt das “Alm Frühstück” in der “Frühstück für Zwei”-Edition für neun Euro, dazu Milchkaffee für 2,30 Euro bzw. Latte macchiato für preiswerte zwei Euro. Dazu die obligatorischen Leitungswasser und Apfelschorle: 0,3l kosten hier ebenfalls zwei Euro. Anett probierte dazu den frischen Obstsalat für 3,50 Euro, Andrea die Bio-Eier mit Mozzarella und Tomate für 4,50 Euro. Die Getränkebestellung wurde zwar zuerst an der Bar verpeilt, dauerte aber nach einer Erinnerung[3] nur vier Minuten.

Das Essen war nach nur vierzig Minuten da, führte dann auch gleich zu schwungvollen Diskussionen zwischen den professionellen Testern auf der einen und den Damen vom Fach, die üblicherweise auf der anderen Seite des Tresens stehen: Ein wirklich gutes Frühstück zuzubereiten ist nämlich eine Heidenarbeit. Für frisch geschnippeltes Obst, Gemüse, schön arrangierten Käse, geschmackvoll drapierte Kräuter, passende Eibeilage, herrliche Mozzarella-Tomaten-Basilikum-Kaskaden – und das noch auf mehreren unterschiedlich verzierten Tellern gleichzeitig – kann und sollte man schon mal Geduld aufbringen.

Das Zwei-Leute-”Alm Frühstück” (rechts) für 9 €, linkerhand das Bio-Ei vegetarisch für 4,50 €.

Das “Alm Frühstück” präsentierte sich dann aber auch prachtvoll: Das Foto kann die “phänomenale” (Anett) Pracht kaum wiedergeben. Zu den leckersten denkbaren Käsesorten (siehe auch die Karte) gesellten sich Advocado-Creme, Bio-Marmelade und als Krönung eine Schüssel voll zerlassenem Camembert zum Selberditschen. Der Brotkorb, den sich erdgeist mit den Alm-für-Zwei-lern teilen sollte, war hingegen ein wenig lütt – selbst wenn statt der hungrigen vier nur die geplanten drei Mäuler zu stopfen gewesen wären – und sollte durch einen weiteren für stolze 1,50 Euro[4] ergänzt werden. Die Funktion des im zweiten Brotkorb heimlich mitgelieferten Kühlschrankmagneten wurde uns auch nach längerem Überlegen nicht klar. Dessen Anwesenheit wunderte uns aber nach Anblick des Interieurs nicht mehr. Die Bio-Eier schmeckten deutlich leckerer als auf dem Foto zu erahnen – alles in allem war die Vegetarierfraktion mit ihrem Mahl mehr als zufrieden, Urteil: ausgewogen und günstig.

Links der Brotkorb, für dessen 3-Schrippen-Ersatz 1,50 € fällig wurden. Mitte: Ein 3 € Latte macchiato. Noch im Bild: Obstsalat richtig gemacht.

nitram brauchte zur Stärkung etwas herzhafteres: Er war mit einem Chili con carne und drei Bio-Rühreiern mit Käse und Schinken zu jeweils 4,50 Euro dabei. Das Rührei war – wie bereits angedeutet – durchweg lecker, das Chili hätte mit mehr Fleisch und vollständig heiß noch besser geschmeckt. Da nicht alle ihre Teller komplett leer aßen, war der für seine restlosen Vertilgungsfähigkeiten bekannte nitram ein echter Glücksgriff: Seine Schnitt- und Rühreibemmen-Kreation konnte der restlichen Kunst im Raum durchaus das Wasser reichen! Warum während des Frühstücks die Begriffe Moppelkotze und knorke aufgekommen sind, ist leider nicht mehr überliefert, bot aber einen unterhaltsamen Anfangspunkt für eine weitere Recherche, die zu spannenden Details über die Senatsreserve führte.

Chili con Carne für 4,50 €. Umsonst: sich aus den Resten kreative Bemmen basteln.

Da erdgeist schon leicht verkatert ankam und zu den fröhlich spielenden Kindern inkompatibel war, mußte er sich zusammenreißen, die ersten Eindrücke nicht zu hochzuhängen: Die Raumakustik war auch nach dem Verschwinden der Kleinen nur mit starken Nerven zu ertragen, die Musik[5] half nur wenig. Auf dem Tresen stapelte sich das Altgeschirr, und die Rhabarberschorle[6] wurde mit einer Scheibe Zitrone verhunzt.[7] Die Leitungswasser wurden – wie leider viel zu oft üblich – vergessen, trotz expliziter Bestellung. Die reine Anwesenheit von Rhabarbersaft[8] war aber schon mal ein dicker Pluspunkt.

Nach der Zufuhr von Eiweißen und der Anhebung des Blutzuckerspiegels wirkte aber auch bei erdgeist die Magie des Raums: Das bestellte “Berg & Tal Frühstück” für 6,50 Euro kam mit einer großen Auswahl an Wurst, einer kleineren Auswahl an Käse, einem Bio-Ei und allen Details daher, die auch das “Alm Frühstück” liebenswert machten: Kiwi- (noch mit Aufkleber), Melonen- und Orangenscheibe, der Mozzarella-Zauber, wirklich leckere Waldbeerenmarmelade. Dazu gab es – suchtbedingt – einen Latte macchiato mit Extrashot für drei Euro, der dann auch prompt im Caipi-Glas daherkam. Wie nun unschwer zu erraten, war auch das “Berg & Tal Frühstück” außerordentlich lecker, ausreichend und in angenehmer Atmosphäre gern verspeist.

Das “Berg & Tal”-Frühstück. Preis: 6,50 €.

Hingehen sollten alle, die auch sonntags leckeres und günstiges Frühstück a la carte wollen, ein wenig Zeit mitbringen und denen “normal” zu anstrengend ist. Der Second-Hand-Shop im hinteren Teil des Salons lädt auch die anspruchsvolleren Zeitgenossen zum Eintauchen in die gemütliche Atmosphäre ein.

Salon Schmück, Skalitzer Str. 80
Tel. (030) 69004775
Außenimpression bei Sonne

  1. Diesmal war eine geduldsstrapazierende Fünfertruppe – bestehend aus nitram, Andrea, Anett, Kathrin und erdgeist – für euch im Regen unterwegs. []
  2. Der “Salon Schmück” besteht aus zwei großen Räumen, bei gutem Wetter kann man auch draußen sitzen. []
  3. Nach 25 Minuten kann man schon mal höflich nachfragen. []
  4. Dies entspricht fünfzig Eurocent pro Schrippe. []
  5. Es wurde “Black Music”, später entspannter Funk kredenzt. []
  6. Schorlen kosten alle zwei Euro. []
  7. Sowas kennt man sonst eigentlich nur vom günstigen Eck-Inder. []
  8. Die Mehrheit der Anwesenden sind ausgewiesene Rhabarberfans. []

Cutie Pie

Eigentlich waren wir später noch zum Frühstück verabredet, aber als wir so durch die Lausitzer Straße flanierten, lachte uns ein kleiner Kaffeeladen an.

Wir also rein - Zeit und Hunger waren noch genug da - und erst einmal die beiden Bedienungen ein bißchen verunsichert. Das Cutie Pie ist sehr nett eingerichtet, wirkt ein bißchen wie ein heller, gemütlicher Leseclub und war total leer, als wir da waren. Allerdings läßt das haufenweise herumstehende Kinderspielzeug vermuten, daß es hier normalerweise nicht so gemütlich zugeht.

Das Angebot ist nicht wirklich groß, sieht aber sehr lecker aus. Es gibt die üblichen Kaffeevariationen und Kuchen, der teilweise selbstgebacken ist. Die folgende Zusammenstellung hat ungefähr 6,30 Euro gekostet, genaue Preise konnte ich mir leider nicht merken - es war einfach noch zu früh.

Der Kuchen war sehr lecker, die Heißgetränke auch, vor allem die Mini-Brownies dazu. Normalerweise gibt es hier frische Minze, die heute leider aus war, aber das restliche Teeangebot kann sich sehen lassen.[1]

Kein Ort also um lange und ausführlich zu frühstücken, aber genau richtig für das kleine Frühstück zwischendurch. Aperitif sozusagen, und der muß nicht süß sein, es gibt hier auch Bagel, Croissants und belegte Toasts[2]. Glauben wir zumindest. Auf jeden Fall auch was anderes als Kuchen.

Geht am besten mal selber hin und probiert das aus, das Cutie Pie ist nämlich sehr sympathisch, liegt aber ein bisschen ab vom Schuß und wirkt deswegen ein bißchen unausgelastet.

Cutie Pie, Lausitzer Str. 8, 10999 Berlin[3]
0163-201 37 68
…mehr Infos

  1. Obwohl es natürlich auch hier was zu meckern gibt: Einzeln in Plaste verpackte Teebeutel sind halt nicht wirklich Bio. []
  2. Outsider meint, das muß Sandwich heißen. Zugeklapptes Toast mit was drin halt. Warm. Für ab ‘nen Euro. []
  3. Die im Netz angegebene Adresse, die Erinnerung der anwesenden Frühstücker und Google Maps passen nicht so richtig zusammen. Das Cutie Pie ist auf der Lausitzer, wenn man von der Wiener zur Reichenberger läuft auf der rechten Seite. []

Baretto

Das Baretto ist einer von diesen kleinen unscheinbaren Läden, in die man kaum zufällig reinkommt. Es wirkt nicht wie ein Restaurant, sondern eher wie eine Mischung aus öffentlichem Gemeinschaftseßraum und Kaffeebar.

Jecks leckeres Essen

Und das ist es irgendwie auch. “Baretto” bedeutet Happen.[1] Also schnell rein, einen Kaffee bestellen und eines der gar nicht unleckeren Brote[2]. Dann weiter, länger zu verweilen geht nicht. Nicht weil es unangenehm ist, sondern weil es nach Essen, Kaffee und der Zeitung einfach besser ist weiterzugehen.

Schrags leckeres Essen

Es sei denn man holt sich den Besitzer Claudio Canale an den Tisch und läßt sich die Geschichte der Entstehung des Kaffees erzählen, ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie machtlos man gegen bürokratischen Beamtensumpf sein kann. Die Kaffeemarke Trinci, die hier ausgeschenkt wird und etwas ganz besonderes sein soll - ich kann das nicht beurteilen, aber lecker war er auf jeden Fall - spielt dabei auch eine wichtige Rolle.

Leckerer Kaffee

Viel mehr will ich jetzt nicht verraten, geht einfach mal vorbei und probiert den Kuchen aus.

Leckerer Kuchen

Der wird selbstgemacht und wird gern am Gast ausprobiert. Als wir[3] da waren, ist das Experiment auf jeden Fall geglückt. Hingehen sollten alle, die eine gute Geschichte schätzen können und die keinen Platz zum Verweilen suchen, sondern sich einen Energieschub für den Tag abholen wollen.

BarettoWrangelstraße, 10997 Berlin

Innenansicht Baretto

Das Baretto von Innen

Im Podcast erfahrt ihr etwas mehr über das Baretto, seine Herkunft und den Kaffee. Außerdem gibt es einen philosophischen Kurs in die Gefilde der Knirscherschienen und des Nah-Kneipen-Besuches. Im Podcast behauptet jemand, man könne da lange sitzen. Das stimmt auch irgendwie. Noch ein Grund, warum ihr vorbei gehen solltet.

 
icon for podpress  BBB 005: Das Baretto in Kreuzberg [10:23m]: Play Now | Play in Popup | Download
  1. Wenn ich mir das richtig gemerkt habe. []
  2. Die bestimmt irgendwie anders heißen. []
  3. Der Schrag und Jeck. []

Cafe V

Zwei Fleischesser in einem Frühstückslokal mit ausschließlich vegetarischen Spezialitäten – kann das gutgehen? Klar! Wir[1] trafen uns mit etwas asymmetrischer Ausgangslage: bert war schon ziemlich oft im Cafe V, da er in der Nähe arbeitet, 46halbe aber noch nie. Erfreut darf jedoch konstatiert werden, daß es noch kein “Stammtisch”-Schild auf dem Tisch gab, wo bert saß.

Wir waren die ersten Gäste des Tages, weswegen die Kellnerin ein paar Minütchen brauchte, den Laden hochzufahren. Die schlichte Frage: “Brauchst Du nen Kaffee?” hat bert beeindruckt, nicht etwa wegen der netten Art des Vortrags, sondern wegen des Verbes “brauchen”. Positiv muß mal wieder hervorgehoben werden, daß die zuerst bestellten koffeinhaltigen Heißgetränke mit stillem Wasser serviert werden (Latte macchiato 2,30 Euro und großer Kaffee 2,40 Euro). Man kann es nicht oft genug betonen: Es macht einfach einen Unterschied. Sogar bert, der koffeinabhängig im letzten Stadium ist, weiß dies zu würdigen.

Aus einer momentan nicht mehr rekonstruierbaren Laune heraus löste das Lesen des Wortes “Tofuwurst” bei 46halbe den Pawlowschen Reflex inklusive Salivieren aus. Obgleich sie ausweislich dieses Blogs so gut wie nie eine Art von gebratener Wurst oder auch nur irgendwie Gebratenes zur frühen Morgenstunde ordert, hörte sie sich selbst das Tofuwurst-Frühstück bestellen. Im Nachhinein kann man sich natürlich auch fragen, ob es schlicht an der Tatsache lag, daß das Tofu-Frühstück an neunter Stelle der Frühstückskarte zu finden war.[2]

Vielleicht ist es generell eine gute Idee, die Testesser vorab darauf festzunageln, daß sie etwa das sechste (oder eben neunte) Frühstück der Karte aufessen müssen. Das wär allemal neutraler für die Bewertung. 46halbe fürchtet nur, sie hat dann bald keine Freunde mehr, die mit ihr frühstücken wollen. Außerdem könnte es sie ja selber treffen – was für ein Grauen, wenn die Nummer sechs dann das Tomatenfrühstück wär!

Tofu-Frühstück: 5,90 Euro

Aber mal zurück zum Frühstück: Es gab lecker Tofuwurst, die einfach dermaßen nach Fleisch schmeckt, daß man anfängt, am vegetarischen Versprechen des Ladens zu zweifeln. Dazu wurden Bohnen und etwas Rührei serviert, die zusammen mit dem Schafskäse eine ausgesprochen wohlschmeckende Kombination bildeten. Ein bißchen Obst und Grünzeug rundeten das Frühstück ab. Hatte sich 46halbe anfangs noch entsetzt über die eigene Bestellung gegruselt, stellte sich nun sehr schnell das Gefühl ein, das absolut perfekte Frühstück für diesen Morgen gewählt zu haben.

Rührei mit Schafskäse: 3,90 €

berts Frühstück war ein schlichtes Rührei an Schafskäse. Da er ein erfahrener Rühreiesser ist und gerade im Cafe V das liebevoll zubereitete Hühnergedeck schon oft genossen hat, ist es auch diesmal offenbar die richtige Wahl. bert betont, daß er satt geworden ist und genau nichts zu kritisieren hat.

Es war ein im Vergleich eher kurzes Frühstück, da wir beide ordentlich Arbeit am Hals haben, die uns am längeren Verweilen hinderte. Aber daß wir als Fleischverzehrer im vegetarischen Spezialitätenlokal vollauf glücklich waren, ist doch mal eine Aussage.

Hingehen sollten alle, die anständigen Kaffee und fleischlose Kost in vielen Varianten möchten, vielleicht auch mal auf den obligatorischen Speck und damit vielleicht in Zukunft die nach ihm benannten Ringe am Leib verzichten wollen oder zwischen 10 und 2 Uhr grad ohne rechtes Ziel am Lausitzer Platz rumstehen.

Cafe V,
Lausitzer Platz 12, 10997 Berlin
Telefon: 030 / 612 45 05
Außenansicht Cafe V

  1. 46halbe frühstückte diesmal mit bert. Die Bilder sind mit seiner Handykamera gemacht, da ich die Kamera leider vergessen hatte. []
  2. Auf die Auswirkungen von 46halbes Zwangsneurose um die Zahl neun wird später irgendwann eingegangen. []

Rote Harfe

In der Nähe des SO36 in der Oranienstraße befindet sich die Rote Harfe, ein Lokal mit langer Tradition. Heute firmiert es als “Orient-Lounge” mit neuem Besitzer, aber verändertem Konzept. Das konnten wir[1] nicht ahnen, als wir uns dort zum Frühstück trafen. Da es trotz Sonnenscheins etwas zu kühl zum Draußensitzen war, entschieden wir uns für einen kleinen Tisch drinnen am Fenster.

Beim Eintritt empfing uns an der großen Kreidetafel der Hinweis auf das Wochen-Special: Baby-Steinbutt in Nußbutter mit Fenchel. Ui, das klang erstmal einladend, allerdings nicht zum Frühstück. Wenig später hatten wir die Speisekarten und den obligatorischen Latte macchiato (für 2,60 Euro) auf dem Tisch, der zu unserer Freude mit Wasser serviert wurde. Während wir wie immer unschlüssig die Wahl der Frühstücke diskutierten und uns das Wasser bereits im Munde zusammenlief, warteten wir darauf, bestellen zu können.

Wir warteten und warteten. erdgeist hatte sich längst für das Kleine Gemischte Frühstück entschieden, 46halbe hatte aufgrund unterdurchschnittlichen Hungers das Französische Frühstück gewählt. Irgendwann hatten wir bereits Schwächeanfälle wegen Unterzuckerung und fragten verzweifelt, aber höflich nach, ob wir bestellen dürften.

 

Kleines Gemischtes Frühstück: 5,40 €

Das Kleine Gemischte Frühstück kam nur wenige Minuten nach der erfolgreichen Bestellung und bestand aus Cervelatwurst, Schinken und Käse, sämtlich aus der Packung, sowie Camembert, Marmelade und Ei. Die unliebsame optische Zusammenstellung ohne Obstgarnitur, aber mit etwas Salat zauberte kein Lächeln auf erdgeists Gesicht. Auch der sofortige Ei-Verzehr änderte seine Stimmung nicht zum Besseren, denn dieses hatte offenbar nur sehr kurzen Kontakt mit heißem Wasser gehabt, war entsprechend weich, sehr weich.

Obwohl hungrig, fand erdgeist das Frühstück insgesamt fad und trocken. Die in Kreuzberg irgendwie deplazierte R’n’B-Musik, die uns die ganze Zeit etwas zu laut um die Ohren wehte, senkte die Stimmung zusätzlich. Nicht einmal die sekundären Geschlechtsmerkmale, welche die Kellnerin offenbar in aufmunternder Absicht deutlich exponierte, konnten erdgeist erfreuen.

Französisches Frühstück 

Französisches Frühstück: 4,10 €

46halbes Französisches Frühstück, das mit einem Milchkaffee serviert wurde, war übersichtlich, aber nett arrangiert. Das Croissant schmeckte zwar frisch, war aber recht mickrig. Das Preis-Leistung-Verhältnis war dennoch insgesamt angemessen.

Ein bereits aus einem anderen Lokal bekanntes Johannisbeeren-Problem soll hier nicht unerwähnt bleiben und mal grundsätzlich diskutiert werden. Ja, Johannisbeeren sind als saisonales Obst eine vorzügliche Idee als Garnitur und Farbtüpfelchen auf einem liebevoll dekorierten Teller. Sie schmecken nicht nur süß, sondern beerig-frisch und haben sogar das Potential, beim geneigten Gast gute Laune zu erzeugen und zugleich unbewußt mehr Trinkgeld aus ihm herauszukitzeln. Denn ist das Frühstück beispielsweise als Anbahnung intimer Beziehungen geplant, kann man die roten Beeren hingebungsvoll bis erotisch von der Rispe knabbern. Auch wenn der Frühstückspartner eher langweilig palavert, eignen sich die Johannisbeeren zum kreativen Zeitvertreib.

Ungewaschen werden sie jedoch zur Frühstücksbewertungsfalle! Denn sind sie nicht gewaschen, wird der Schmutz auf den Früchtchen zum Hingucker und offenbart lieblose Behandlung der zu verzehrenden Speisen vor dem Servieren. Und wie wir nicht nur aus diesem Blog, sondern auch aus hochwissenschaftlichen Forschungen wissen, reden die Gäste viel häufiger über Störendes, seien es auch Kleinigkeiten, als über Erfreuliches, das wie selbstverständlich hingenommen wird.

Hingehen sollten also alle, die sich in Kreuzberg sowieso etwas deplaziert fühlen, vom Fenster aus aber ein gutes Stück der Oranienstraße beobachten möchten, sich nicht daran stören, wenn das Abräumen ein Viertelstündchen dauert und deren Erwartungen ein Durchschnittsfrühstück nicht übersteigen.

Rote Harfe
Oranienstraße 13, 10999 Berlin
Telefon: 030 / 618 44 46
Rote Harfe

  1. 46halbe war wieder mit erdgeist frühstücken. []

Marx

Einen malerischen Blick auf das tiefste Kreuzberg 36 bieten die unauffälligen vier Tische, die am Spreewaldplatz vor dem Marx[1] die beiden Frühstückstester[2] einluden. Es sollte eigentlich ein Geburtstagsfrühstück werden, nur der Jubilar hatte kurzfristig absagen müssen. Da das natürlich kein Grund ist, ein Frühstück gänzlich abzusagen, hatten wir uns entschlossen, das Marx allein zu testen.

Nach einem leckeren Milchkaffee (2,40 Euro) an der frischen Luft zogen uns Socializing-Umstände ins Innere des geräumig eingerichteten Restaurants. Dort wurden wir von einer über den Köpfen thronenden Marx-Büste empfangen, die an die große Statue früher in der Innenstadt von Karl-Marx-Stadt[3] erinnerte.

Marx: kostenlos

Was als erstes auffiel: Der Kellner war dermaßen freundlich, ja gradezu herzlich, daß man unverzüglich gute Laune bekommen mußte. Hinzu kam, daß er über die gesamte Zeit aufmerksam alle Wünsche quasi von unseren Augen ablas – und einfach sexy war. Da das Marx nicht nur Frühstück serviert, sondern auch Bar und Cafe ist, werden wir nicht umhin kommen, diesen überdurchschnittlich guten Service demnächst mal nachts zu testen.

Als wir den ersten Blick in die Karte wagen wollten, fiel uns am Nebentisch ein äußerst delikat aussehendes Frühstück ins Auge. Nachfragen ergaben, daß es sich um das “Bauernfrühstück” handelte, was für 6,50 Euro zu haben ist. Das Bauernfrühstück beinhaltete eine wirklich große Portion Rührei mit Kartoffeln und Salat. Nur aufgrund der im Sommer üblichen knappen Bekleidung und der damit einhergehenden Offenlegung menschlicher Problemzonen entschieden wir uns dagegen. Es fiel schwer.

Die Karte zeugte von tiefem Verständnis für das Bedürfnis, auch am frühen Morgen die Wahl zwischen dem bürgerlichen Konzept eines ausgewogenen Frühstücks, dem Öko-Vegan-Politisch-Korrekt-Essen und deftigen Mahlzeiten zu haben – wir konnten den Tischnachbarn beim Mittag zuschauen, und hätten bis 19 Uhr die Option gehabt. Schließlich entschied sich erdgeist für ein Kleines Frühstück.

Kleines Frühstück: 4,80 €

Wir mußten nicht lange warten: Das Kleine Frühstück bestand aus einem Ei, Schinken, Wurst und etwas Obst, dazu zwei Käsesorten, Kräuterquark, Gurkenscheiben, etwas Salat und Marmelade. Es war nicht nur lecker, sondern auch angenehm sättigend (im Gegensatz zu Kreationen, die man im Laufe des Verzehrs wegen “zu trocken” oder “Gemüse alle” gelangweilt liegenläßt), so daß die verdauungsfördernden späteren Latte macchiato (2,50 Euro) mit euphorischer Freude geordert wurden. Der selbstgemachte Quark harmonierte mit allen anderen Komponenten, die Apfelsinen hielten prima Schalenmaterial zum Aschenbecherverstopfen bereit, und ganz besonders Kleinigkeiten wie die Alfafasprossen rundeten das Ganze ab. Einzig die Oliven störten den Gesamteindruck, konnten aber rechtzeitig auf dem Teller eines unaufmerksamen Speisenden am Nebentisch entsorgt werden.

Das Natürliche Frühstück: 6,00 €

Das Natürliche Frühstück beinhaltete einen Bourbon-Vanille-Joghurt mit Obst, der positiv auffiel, da er nicht so süß war, wie man es bei den typischen Plastebecher-Joghurts gewöhnt ist. Ansonsten gab es neben dem Brot und den Baguettescheiben Gurkenstückchen, Guacamole, Alfafasprossen, eine süßliche, zart gewürzte Paprikapaste sowie einen etwas spartanischen Rohkostsalat. 46halbe will da nicht meckern, sie hatte ja das “Natürliche” geordert, da brauch sie kein großes Dressing oder anderen Bohei erwarten – das Frühstück war auch so genau das, was zu diesem Morgen paßte. Der frischgepreßte, leicht bittere Orangensaft rundete das Frühstück ab.

Hingehen sollten alle, die einen individuellen Start in den Tag suchen und sich dabei nicht von Konventionen aufhalten lassen möchten, oder jene, die eh noch in Kreuzberg auf der Piste sind, und die berühmten langen Nächte mit einem stilvollen und entspannten Snack beschließen wollen. Eigentlich ist das schon fast ein Hingehen-Befehl, wir können unsere vordergründige Sympathie für das Marx nicht verhehlen.

Marx, Spreewaldplatz 6, 10999 Berlin
Telefon: 030 / 611 41 47

  1. Spreewald und Marx in West-Berlin! []
  2. erdgeist und 46halbe haben die Frühstücke genossen. []
  3. für die Wessis: Chemnitz. []

Cafe Morena

Das Morena in Kreuzberg war uns[1] eigentlich nur als verrauchte Kneipe bekannt, vorzugsweise für Abende während der Fußball-WM. Die Burger sind recht mächtig und groß, an den Geschmack kann sich Jeck aber nicht mehr erinnern.

Kommen wir aber zu dem, weswegen wir eigentlich hier sind: Frühstück. Der Tageszeit angemessen (12 Uhr), war unsere Kellnerin leicht verpeilt – genau wie 46halbe auch. Bei der Kellnerin drückte sich das so aus, daß sie schlicht nicht die Schnellste war, bei 46halbe anders. Nachdem wir alle aufgewacht waren, konnten wir aber bestellen.

Spanisches Frühstück: 6,10 € / Sencha Lemon: 2,50 €

Die Auswahl an Frühstücken ist nicht sooo groß, aber so gut, daß wir Mühe hatten, uns zu entscheiden. Wir versuchten daher diesmal experimentell, zwei Frühstücke zu ordern, die wir hernach gemeinschaftlich verzehren wollten. 46halbe wußte schon, daß das nicht gutgehen würde. Glücklicherweise gewann sie aber bei “Schere, Stein, Papier” und konnte die von ihr hoch präferierten Unterhälften der Brötchen abgreifen.

Eine Einzelnote können wir nicht vergeben, in der Kombination der Frühstücke aber waren wir ausgesprochen zufrieden. Und satt. Der Eierkuchen (neudeutsch: Pancake) war lecker, fluffig und mit frischem Obst gefüllt. Das kontinentale Frühstück hatte die richtige Zusammenstellung von Zutaten: Käse, Wurst, Frischkäse, Grünkram und ein paar Accessoires.

Frühstück Continental Groß: 7,60 €

Die Abteilung “Kritteln auf hohem Niveau” hat uns lediglich zugetragen, daß der Orangensaft (eigentlich Orangenfruchtsaftgetränk) nicht frisch, sondern aus dem Tetrapack war, der Joghurt zu dünnflüssig und das Ei zu hart gekocht war. Positiv erwähnt werden muß jedoch die Teekarte, die ein reichhaltiges Angebot offerierte. Jeck probierte Grüntee der Sorte “Sencha Lemon” und grinst noch immer. Kann aber auch an dem nach dem Essen bestellten Espresso liegen, der halb/halb mit Zucker genossen wurde. Der Tee war übrigens deutlich besser als der nur durchschnittlich schmeckende Latte macchiato (2,50 Euro).

Hingehen sollten alle, die gerne TAZ lesen, live vorgetragene, fast kostenlose Herzschmerzsongs mögen, morgens etwas Zeit und viel Hunger haben, beim Frühstück gerne surfen und eben nicht zu den Mitte-Pennern gehören.

Cafe Morena, Wiener Str. 60, 10999 Berlin
Telefon: 030 / 24 37 53 31
www.morena-berlin.de

Als besonderen Service gibt es heute noch etwas auf die Ohren. Eigentlich war es als Hintergrundmusik geplant, aber das ist dann doch schief gegangen. Aber hört selbst:

 
icon for podpress  Das Morena in Kreuzberg [4:47m]: Play Now | Play in Popup | Download
  1. 46halbe und Jeck haben wieder gemeinsam gefrühstückt. []

Milagro

Sommerfrühstück & Ei: 9,20 € / Gr. Apfelschorle: 2,80 € / Malzmilchkaffee: 2,10 €

Ich gehe immer wieder ins Milagro in der Bergmannstraße, obwohl ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu dem Laden habe. Die Bedienung ist nett, das Angebot okay und die Preise erträglich, aber immer wenn ich die Karte aufschlage, weiß ich nicht wirklich, was ich nehmen soll. Ich habe mich dieses Mal für das Monats-Frühstück “Sommer” plus Extra-Ei entschieden.

Das Frühstück war gut, aber nicht wirklich hervorragend. Das ist vielleicht auch der Eindruck, den das Milagro insgesamt bei mir hinterlässt: Im Prinzip alles klar, aber das Essen wirkt ein bisschen wie Dienst nach Vorschrift. Insbesondere der Schinken schmeckte wie frisch aus der Plus-Plastepackung, der Rest war aber in Ordnung. Richtig lecker war einzig das kleine Schälchen mit Mascarpone und Rhabarber-Vanille-Marmelade.

Frühstück New York: 7,50 € / Grapefruitschorle 0,2l: 1,70 € / Milchkaffee: 2,10 €

Als Co-Tester war dieses Mal Squee mit dabei. Sie hatte sich das “New York”-Frühstück ausgewählt, weil sie – ebenfalls nach einer langen und schwierigen Entscheidungsfindung – “mehr als ein gewöhnliches Käsefrühstück wollte”. Als sich auch noch herrausstellte, dass sich hinter “Hash Browns” Rösti-Ecken aus geraspelte Kartoffeln verbergen, gab es kein zurück mehr.

Squee fand das Frühstück lecker aber zu teuer: “Genau die Mischung, die ich haben wollte. Mit Frischkäse, Schinken und Obst und ich habe keine Banane bekommen!” Nur das Rührei sei zu ungewürzt gewesen, aber dafür gebe es ja die schöne große Pfeffermühle. Insgesamt sei das Preisverhältnis etwas aus den Fugen geraten, da der Unterschied zwischen einfachen Angeboten und Frühstück mit kleinen Extras zu groß sei.

Besonders lobend soll noch die Kellnerin erwähnt werden, die sofort mit einem frischen Messer kam, als mir meins vom Tisch viel. Das fand ich – gerade zu Zeiten der WM-gestressten Servicekräfte – sehr aufmerksam. Schön wäre gewesen, wenn das Verhältnis zwischen Kellnern und Gästen besser als 1:alle gewesen wäre.

Milagro, Bergmannstr. 12, 10999 Berlin
Telefon: 030 / 692 23 03
www.milagro.de




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